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Bildung, Kunst und Unterhaltung: Jüdische Verleger und russische Kunstzeitschriften in Berlin als Kulturvermittler

Research output: Chapter in Book/Report/Conference proceedingChapter (peer-reviewed)

Standard

Bildung, Kunst und Unterhaltung : Jüdische Verleger und russische Kunstzeitschriften in Berlin als Kulturvermittler. / Marten-Finnis, Susanne.

Zirkulation Von Nachrichten Und Waren: Stadtleben, Medien Und Konsum . ed. / Anna Ananieva. Eberhard Karls Universität Tübingen, 2016. p. 119-126.

Research output: Chapter in Book/Report/Conference proceedingChapter (peer-reviewed)

Harvard

Marten-Finnis, S 2016, Bildung, Kunst und Unterhaltung: Jüdische Verleger und russische Kunstzeitschriften in Berlin als Kulturvermittler. in A Ananieva (ed.), Zirkulation Von Nachrichten Und Waren: Stadtleben, Medien Und Konsum . Eberhard Karls Universität Tübingen, pp. 119-126. <http://hdl.handle.net/10900/70820 >

APA

Marten-Finnis, S. (2016). Bildung, Kunst und Unterhaltung: Jüdische Verleger und russische Kunstzeitschriften in Berlin als Kulturvermittler. In A. Ananieva (Ed.), Zirkulation Von Nachrichten Und Waren: Stadtleben, Medien Und Konsum (pp. 119-126). Eberhard Karls Universität Tübingen. http://hdl.handle.net/10900/70820

Vancouver

Marten-Finnis S. Bildung, Kunst und Unterhaltung: Jüdische Verleger und russische Kunstzeitschriften in Berlin als Kulturvermittler. In Ananieva A, editor, Zirkulation Von Nachrichten Und Waren: Stadtleben, Medien Und Konsum . Eberhard Karls Universität Tübingen. 2016. p. 119-126

Author

Marten-Finnis, Susanne. / Bildung, Kunst und Unterhaltung : Jüdische Verleger und russische Kunstzeitschriften in Berlin als Kulturvermittler. Zirkulation Von Nachrichten Und Waren: Stadtleben, Medien Und Konsum . editor / Anna Ananieva. Eberhard Karls Universität Tübingen, 2016. pp. 119-126

Bibtex

@inbook{b8d32216cbd045cbab804c32b5981814,
title = "Bildung, Kunst und Unterhaltung: J{\"u}dische Verleger und russische Kunstzeitschriften in Berlin als Kulturvermittler",
abstract = "Berlin als KnotenpunktWar die Vermittlung von Nachrichten bei der Entstehung des j{\"u}dischen Pressewesens als Kind der Haskala, der j{\"u}dischen Aufkl{\"a}rung, im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts, von Gelehrtendiskursen gepr{\"a}gt, deren Kommunikationsfluss ausgehend von Berlin in Richtung Osteuropa verlief, so zeichnete sich 100 Jahre sp{\"a}ter ein Trend ab, der in umgekehrter Richtung verlief: Im Berlin der fr{\"u}hen 1920er Jahre etablierte sich ein russisches Presse- und Verlagswesen, das weitgehend aus den verlegerischen T{\"a}tigkeiten j{\"u}discher Protagonisten aus St. Petersburg (bzw. Petrograd) und Moskau hervorging und mannigfaltige Verbindungen zu einer westlichen Leserschaft schuf.Die j{\"u}dischen Verleger aus den russischen Metropolen spielten in Berlin, dieser, ersten Hauptstadt{\textquoteleft} der Russischen Emigration, nicht nur bei der Buchproduktion f{\"u}r die russischen Emigrantenm{\"a}rkte eine wichtige vermittelnde Rolle. Sondern sie versorgten von hier aus auch den sowjetischen B{\"u}chermarkt. Ausschlaggebend daf{\"u}r waren die Alphabetisierungskampagnen der neuen sowjetischen Eliten, die breiten Schichten der Bev{\"o}lkerung den Zugang zu Literatur und Bildung zu erm{\"o}glichen bestrebt waren. H{\"a}ufig entstanden Verlagsprodukte sogar in enger Zusammenarbeit zwischen prosowjetischen Verlagsunternehmen und russischen Emigrantenverlagen, die sich vor allem seit 1921 in Berlin ansiedelten und mitunter von deutschen Verlagen wie Mosse oder Ullstein mitfinanziert wurden – ein Ph{\"a}nomen, das einzigartig in der Geschichte des Verlagswesens ist.F{\"u}r die Ansiedlung ausl{\"a}ndischer Verlage bot Berlin w{\"a}hrend der Inflationszeit durchaus attraktive Arbeitsbedingungen an. Neben den niedrigen Produktions- und Versandkosten z{\"a}hlten dazu die zuverl{\"a}ssigen Arbeitskr{\"a}fte und guten {\"U}bersetzer, die zu niedrigen L{\"o}hnen besch{\"a}ftigt werden konnten. Auch jiddische Verlagsunternehmen lie{\ss}en sich in dieser Zeit in Berlin nieder. Die Anerkennung der jiddischen Sprachgemeinschaft durch ein internationales Gremium – die Pariser Friedenskonferenz – hatte zuvor bewirkt, dass j{\"u}dischen Zeitungen, Bildungseinrichtungen und Bibliotheken in Mittel- und Osteuropa fortan ein st{\"a}rkerer kultureller und nationaler Erziehungsfaktor zugeschrieben wurde. Die dadurch beg{\"u}nstigte Buchproduktion schloss die {\"U}bersetzung von Klassikern der Weltliteratur ein. Infolgedessen etablierte sich Berlin nun auch als wichtiges Vermittlungs- und Verbindungszentrum zwischen den rund 10 Millionen Juden Osteuropas und der 5 Millionen starken j{\"u}dischen Bev{\"o}lkerung Amerikas.",
author = "Susanne Marten-Finnis",
year = "2016",
language = "German",
pages = "119--126",
editor = "Ananieva, {Anna }",
booktitle = "Zirkulation Von Nachrichten Und Waren",
publisher = "Eberhard Karls Universit{\"a}t T{\"u}bingen",

}

RIS

TY - CHAP

T1 - Bildung, Kunst und Unterhaltung

T2 - Jüdische Verleger und russische Kunstzeitschriften in Berlin als Kulturvermittler

AU - Marten-Finnis, Susanne

PY - 2016

Y1 - 2016

N2 - Berlin als KnotenpunktWar die Vermittlung von Nachrichten bei der Entstehung des jüdischen Pressewesens als Kind der Haskala, der jüdischen Aufklärung, im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts, von Gelehrtendiskursen geprägt, deren Kommunikationsfluss ausgehend von Berlin in Richtung Osteuropa verlief, so zeichnete sich 100 Jahre später ein Trend ab, der in umgekehrter Richtung verlief: Im Berlin der frühen 1920er Jahre etablierte sich ein russisches Presse- und Verlagswesen, das weitgehend aus den verlegerischen Tätigkeiten jüdischer Protagonisten aus St. Petersburg (bzw. Petrograd) und Moskau hervorging und mannigfaltige Verbindungen zu einer westlichen Leserschaft schuf.Die jüdischen Verleger aus den russischen Metropolen spielten in Berlin, dieser, ersten Hauptstadt‘ der Russischen Emigration, nicht nur bei der Buchproduktion für die russischen Emigrantenmärkte eine wichtige vermittelnde Rolle. Sondern sie versorgten von hier aus auch den sowjetischen Büchermarkt. Ausschlaggebend dafür waren die Alphabetisierungskampagnen der neuen sowjetischen Eliten, die breiten Schichten der Bevölkerung den Zugang zu Literatur und Bildung zu ermöglichen bestrebt waren. Häufig entstanden Verlagsprodukte sogar in enger Zusammenarbeit zwischen prosowjetischen Verlagsunternehmen und russischen Emigrantenverlagen, die sich vor allem seit 1921 in Berlin ansiedelten und mitunter von deutschen Verlagen wie Mosse oder Ullstein mitfinanziert wurden – ein Phänomen, das einzigartig in der Geschichte des Verlagswesens ist.Für die Ansiedlung ausländischer Verlage bot Berlin während der Inflationszeit durchaus attraktive Arbeitsbedingungen an. Neben den niedrigen Produktions- und Versandkosten zählten dazu die zuverlässigen Arbeitskräfte und guten Übersetzer, die zu niedrigen Löhnen beschäftigt werden konnten. Auch jiddische Verlagsunternehmen ließen sich in dieser Zeit in Berlin nieder. Die Anerkennung der jiddischen Sprachgemeinschaft durch ein internationales Gremium – die Pariser Friedenskonferenz – hatte zuvor bewirkt, dass jüdischen Zeitungen, Bildungseinrichtungen und Bibliotheken in Mittel- und Osteuropa fortan ein stärkerer kultureller und nationaler Erziehungsfaktor zugeschrieben wurde. Die dadurch begünstigte Buchproduktion schloss die Übersetzung von Klassikern der Weltliteratur ein. Infolgedessen etablierte sich Berlin nun auch als wichtiges Vermittlungs- und Verbindungszentrum zwischen den rund 10 Millionen Juden Osteuropas und der 5 Millionen starken jüdischen Bevölkerung Amerikas.

AB - Berlin als KnotenpunktWar die Vermittlung von Nachrichten bei der Entstehung des jüdischen Pressewesens als Kind der Haskala, der jüdischen Aufklärung, im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts, von Gelehrtendiskursen geprägt, deren Kommunikationsfluss ausgehend von Berlin in Richtung Osteuropa verlief, so zeichnete sich 100 Jahre später ein Trend ab, der in umgekehrter Richtung verlief: Im Berlin der frühen 1920er Jahre etablierte sich ein russisches Presse- und Verlagswesen, das weitgehend aus den verlegerischen Tätigkeiten jüdischer Protagonisten aus St. Petersburg (bzw. Petrograd) und Moskau hervorging und mannigfaltige Verbindungen zu einer westlichen Leserschaft schuf.Die jüdischen Verleger aus den russischen Metropolen spielten in Berlin, dieser, ersten Hauptstadt‘ der Russischen Emigration, nicht nur bei der Buchproduktion für die russischen Emigrantenmärkte eine wichtige vermittelnde Rolle. Sondern sie versorgten von hier aus auch den sowjetischen Büchermarkt. Ausschlaggebend dafür waren die Alphabetisierungskampagnen der neuen sowjetischen Eliten, die breiten Schichten der Bevölkerung den Zugang zu Literatur und Bildung zu ermöglichen bestrebt waren. Häufig entstanden Verlagsprodukte sogar in enger Zusammenarbeit zwischen prosowjetischen Verlagsunternehmen und russischen Emigrantenverlagen, die sich vor allem seit 1921 in Berlin ansiedelten und mitunter von deutschen Verlagen wie Mosse oder Ullstein mitfinanziert wurden – ein Phänomen, das einzigartig in der Geschichte des Verlagswesens ist.Für die Ansiedlung ausländischer Verlage bot Berlin während der Inflationszeit durchaus attraktive Arbeitsbedingungen an. Neben den niedrigen Produktions- und Versandkosten zählten dazu die zuverlässigen Arbeitskräfte und guten Übersetzer, die zu niedrigen Löhnen beschäftigt werden konnten. Auch jiddische Verlagsunternehmen ließen sich in dieser Zeit in Berlin nieder. Die Anerkennung der jiddischen Sprachgemeinschaft durch ein internationales Gremium – die Pariser Friedenskonferenz – hatte zuvor bewirkt, dass jüdischen Zeitungen, Bildungseinrichtungen und Bibliotheken in Mittel- und Osteuropa fortan ein stärkerer kultureller und nationaler Erziehungsfaktor zugeschrieben wurde. Die dadurch begünstigte Buchproduktion schloss die Übersetzung von Klassikern der Weltliteratur ein. Infolgedessen etablierte sich Berlin nun auch als wichtiges Vermittlungs- und Verbindungszentrum zwischen den rund 10 Millionen Juden Osteuropas und der 5 Millionen starken jüdischen Bevölkerung Amerikas.

M3 - Chapter (peer-reviewed)

SP - 119

EP - 126

BT - Zirkulation Von Nachrichten Und Waren

A2 - Ananieva, Anna

PB - Eberhard Karls Universität Tübingen

ER -

ID: 4807188